Das Bild als Last
Marlene Dumas in der Tate Modern

Ihre Figuren zeigen Makel und Wunden, verharren in Sehnsucht und Einsamkeit. Doch die Inspiration für ihre Bilder findet Marlene Dumas ausgerechnet in Hochglanz-Magazinen. In der Werkschau The Image as Burden in der Londoner Tate beweist sie, dass trotz der alltäglichen Bilderflut aus Fernsehen, Zeitungen und Internet die Malerei nichts an Bedeutung verloren hat. Die mehr als zweihundert gezeigten Gemälde und Papierarbeiten legen den psychologischen, sozialen und politischen Subtext dieser Medienbilder offen. Sie zeigen, wie diese unsere Wahrnehmung beeinflussen und sich in die zeitgenössische Malerei einschreiben. Doch die 1953 in Südafrika geborene Künstlerin dreht den Spieß um: „Mir ist wichtiger, was die Malerei aus diesen Bildern macht, als was diese Bilder aus der Malerei machen.“

Der Ausstellungstitel The Image as Burden – das Bild als Last – ist einem 1993 entstandenen Gemälde von Dumas entlehnt. Es zeigt, wie ein Mann eine Frau auf seinen Armen trägt. Eine Szene wie aus einem klassischen Hollywoodfilm. Doch zugleich erinnert sie an Bilder aus Krisen- und Katastrophengebieten. Dumas spielt gerne mit solchen Zweideutigkeiten: „Ich möchte nie sagen, dies ist dies und das ist das“, äußerte die Künstlerin 2006 in einem Interview mit ArtMag. Auch das Aquarell Untitled (Looking Down) (1992) aus der Sammlung Deutsche Bank, das vor kurzem in der Ausstellung The Circle Walked Casually in der Deutsche Bank KunstHalle zu sehen war, gehört zu diesen Arbeiten, die sich einer eindeutigen Interpretation entziehen.

Doch für Dumas ist nicht nur das Bild eine Last, sondern auch das Malen selbst: „Es reicht einfach nicht, wenn man gerne malt und den Drang verspürt sich auszudrücken“, sagt sie, „Van Gogh hat sehr schön gesagt, er wolle dem Leben etwas zurückgeben. Pasolini sagte, man müsse gegen sich selbst arbeiten. Ich habe immer mit dieser Herausforderung gekämpft. Ich male nicht jeden Tag, und ich mag den Geruch von Farbe nicht wirklich.“ Gerade diese Haltung unterscheidet sie von vielen sogenannten Malerfürsten. Dumas’ „Abarbeiten“ an den Bildern sorgt dafür, dass das traditionsbeladene Medium Malerei bei ihr absolut zeitgemäß erscheint.

Marlene Dumas: The Image as Burden
5.2. – 10.5. 2015
Tate Modern, London