Standort als Erfolgsfaktor
Daniel Hug über die 49. ART COLOGNE

Er hat die Art Cologne aus der Krise geführt. Unter der Leitung von Daniel Hug hat Deutschlands wichtigste Kunstmesse auch international wieder zunehmend an Renommee gewonnen. Im Interview verrät der ART COLOGNE-Direktor sein Erfolgsrezept und was die Besucher bei den NEW CONTEMPORARIES erwartet, der Sektion für junge Galerien, die dieses Jahr erstmals von der Deutschen Bank unterstützt wird.
Die ART COLOGNE präsentiert sich 2015 mit einer neuen Hallenstruktur. Was verändert sich dadurch für die Messebesucher?

Daniel Hug: Das Angebotsportfolio der ART COLOGNE umfasst drei große Epochen: Die Klassische Moderne, die Nachkriegskunst und die Zeitgenössische Kunst. Das war seit jeher das Profil der Messe und ein Alleinstellungsmerkmal. Bei der ART COLOGNE können sich die Besucher mit allen Aspekten progressiver Kunst auseinandersetzen, Klassiker finden, historische Linien nachvollziehen und atelierfrische emerging art entdecken. Mit der neuen Hallenplanung möchten wir dieses Profil weiter stärken. In der Halle 11.1 finden die Besucher Klassische Moderne und Nachkriegskunst. Die Hallenebene 11.2 ist komplett den etablierten zeitgenössischen Galerien gewidmet. In der oberen Hallenebene 11.3 sind die NEW CONTEMPORARIES versammelt, also Galerien, die nicht älter als zehn Jahre sind und junge Kunst im Angebot haben. Darüber hinaus ist der Sektor COLLABORATIONS, den wir gemeinsam mit der New Yorker New Art Dealers Alliance organisieren, sowie die kuratierte Sektion FILM COLOGNE in der Halle 11.3 zu finden. Für die Besucher wird die neue Struktur bessere Orientierung bieten, die Galerien wiederum können ihre Stärken besonders gut ausspielen.

NEW CONTEMPORARIES, der Sektor für junge Galerien, der dieses Jahr erstmals von der Deutschen Bank unterstützt wird, trägt wesentlich zum Profil der ART COLOGNE bei. Wenn Sie das diesjährige Angebot betrachten – welche Themen beschäftigen die junge Szene aktuell? Welche Tendenzen und Künstler sind Ihnen besonders aufgefallen?


Auffällig ist ein erneutes Interesse an abstrakter Kunst und die experimentelle Verwendung von Materialien. Das kann man beispielsweise bei den Arbeiten von Jens Einhorn bei der Galerie DUVE aus Berlin oder den Arbeiten von Jan Pleitner bei der Londoner Galerie Ancient + Modern gut sehen. Auch die gefärbten Schafspelze von Anna Betezbe bei Kate Werble aus New York oder die verzerrten Leinwände von Matthew Chambers bei der Galerie Hezi Cohen aus Tel Aviv gefallen mir sehr gut. ‎Außerdem ist mir noch die Post-Internet-Kunst von Josh Kolbo und Timur Sin-Qin ins Auge gefallen, die beide von der Berliner Galerie Société vertreten werden. Bei Greene Exhibitions aus Los Angeles gibt es spannende Arbeiten vom Performance-Künstler und Zeichner Aaron Garber-Maikovska zu sehen sowie neue Arbeiten von ‎Marcus Herse.

Vor ein paar Jahren steckte die ART COLOGNE in der Krise. Unter Ihrer Leitung hat die Messe zu alter Stärke zurückgefunden. Was ist Ihr Erfolgsrezept?


Die erste ART COLOGNE unter meiner Leitung war 2009. Mir ging es zunächst darum, die Messe zu verkleinern und die Qualität zu steigern. Die Messe war einfach zu groß, zwischenzeitlich nahmen fast 390 Galerien teil. Das schafft kein Besucher. Der wichtigste Schritt war sicherlich, die Anzahl der teilnehmenden Galerien auf rund 200 zu reduzieren. Außerdem habe ich sukzessive den Anteil der ausländischen Galerien erhöht. Inzwischen bietet die ART COLOGNE eine gute Mischung, die zum einen den deutschen Kunstmarkt widerspiegelt, zum anderen sowohl große namhafte wie auch junge aufstrebende Galerien aus den USA und der ganzen Welt nach Köln lockt.

Andere Kunstmessen expandieren ins Ausland. Wäre das auch für die Art Cologne interessant?


Nein, das ist nicht geplant. Ich bin davon überzeugt, dass der Standort der ART COLOGNE ein ganz entscheidender Erfolgsfaktor ist. Das Rheinland hat eine immense Dichte an Sammlern, Museen, Institutionen und Akademien, die es in dieser Form kein zweites Mal gibt. Warum sollte die Messe also woanders stattfinden als im Rheinland? Ihre Verbundenheit mit dem Rheinland und Deutschland macht meiner Meinung nach den Charakter der ART COLOGNE aus und hebt sie auch von anderen Kunstmessen mit ihren Satellitenveranstaltungen ab.

Nächstes Jahr feiert die Art Cologne ihren 50. Geburtstag. Was möchten Sie bis dahin noch erreicht haben?

In den letzten Jahren ist es uns gelungen, der ART COLOGNE bei Sammlern aus Europa und den USA wieder ein hohes Renommee zu verschaffen. Die Messe bietet eine tolle Mischung der relevanten Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Die zahlreichen Bewerbungen von Galerien aus der ganzen Welt erlauben es unserem Beirat, eine gute Auswahl zu treffen. Für die 50. ART COLOGNE gehen wir davon aus, dass sich die Aufmerksamkeit für die Messe noch einmal steigern wird. Und natürlich wird es zum runden Geburtstag auch einige Überraschungen geben.

49. ART COLOGNE
16. – 19. April 2015
Messehallen Köln