Deutsche Bank ehrt Basim Magdy als
„Künstler des Jahres“ 2016

Basim Magdy ist „Künstler des Jahres“ 2016 der Deutschen Bank und wird im nächsten Frühjahr in der Deutsche Bank KunstHalle in Berlin seine erste institutionelle Einzelausstellung präsentieren.  

Der 1977 in Assiut, Ägypten, geborene Künstler, der in Basel und Kairo lebt, hat in den letzten Jahren ein vielfältiges Werk geschaffen, das Film, Video, Diaprojektionen, Installationen und Arbeiten auf Papier umfasst. Im Mittelpunkt stehen immer Strukturen des Sehens, Erinnerns und Archivierens.

Häufig lassen die auf Beobachtungen der Realität basierenden Arbeiten Basim Magdys an surreale Erzählungen voller abgründigem Humor denken. Mit in ihrer Farbigkeit psychedelisch anmutenden Bildern und Montagen hinterfragt der Künstler kollektive Utopien und formuliert seine Zweifel an Dogmen und Ideologien. Zugleich appelliert er an die Imaginationskraft des Betrachters und lässt alternative Realitäten und gesellschaftliche Entwürfe aufscheinen. „Vielleicht interessiere ich mich für Themen, die nicht unbedingt angenehm sind“, sagt er über sein Schaffen, „aber ich muss sagen, dass die schönste Reaktion auf mein Werk für mich ein Lächeln oder ein Lachen ist.“   

Dieser Grundtenor findet sich auch in einem seiner bekanntesten Werke, der 2012 entstandenen Installation A 240 Second Analysis of Failure and Hopefulness (with Coke, Vinegar and other Tear Gas Remedies). Die Doppelprojektion mit 160 Diapositiven zeigt die unterschiedlichen Stadien einer Großbaustelle in einer unbekannten Stadt – den Abriss der alten Gebäudestrukturen und den Neubau. Die Dias von Baggern, Kränen und Bauarbeiten hat Magdy allerdings mit ungewöhnlichen Mitteln wie Coca-Cola oder Essig manipuliert, in die er die Filme einlegt. Die chemische Reaktion färbt nicht nur das Material in nostalgisch verwaschenes Cyan, Pink oder Grün. Diese Substanzen dienen auch als Hausmittel gegen Tränengas – eine Anspielung auf den sich im Laufe der Geschichte ständig wiederholenden Kreislauf aus kollektiven Hoffnungen, Aktionen und Niederlagen.

Die künstlerische Praxis des „Film Pickling“ setzt er auch in 8- und 16-mm Filmen ein – etwa bei The Everyday Ritual of Solitude Hatching Monkeys (2014) und The Dent (2014), der aktuell auch auf der Triennale im New Museum, New York, zu sehen ist. Wie viele seiner Werke kreist auch The Dent um die Absurdität des Lebens, die Unfähigkeit aus Fehlern zu lernen, die ewige Wiederkehr des Gleichen. In diesem Sinne überlagern sich auch in Magdys Werk Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, wobei Verschiebungen der unterschiedlichen Ebenen die abgebildete Realität hinterfragen.

Dieses Prinzip des „Layering“ findet sich sowohl in seinen Filmen, als auch in seinen leuchtend bunten Papierarbeiten und Gemälden. „Ich konstruiere die einzelnen Bilder meiner Filme nach den gleichen Prinzipien wie meine Gemälde“, erklärt Magdy. „Ich balanciere ihre Komposition auf eine ähnliche Weise aus. In meinen Papierarbeiten überlagern sich Sprühfarbe, collagierte Passagen, Gouache, Acryl- und Wasserfarben. Ich betrachte auch meine Filme als Kompositionen, die aus solchen Schichtungen bestehen sowie aus Elementen, die auf suggestive Weise miteinander verbunden sind.“ Wie Magdys Filme wirken auch seine Papierarbeiten merkwürdig ort- und zeitlos – ganz so, als wollten sie sich den konventionellen Vorstellungen von Zeit, Raum und kultureller Identität entziehen.

Basim Magdy war an zahlreichen internationalen Gruppenausstellungen beteiligt, wie 2013 auf den Biennalen in Sharjah und Istanbul sowie 2014 auf der Biennale von Montreal und der MEDIACITY Seoul Biennial. Aktuell ist er in der vielbeachteten Schau Surround Audience: New Museum Triennial 2015 in New York sowie der Ausstellung Lest The Two Seas Meet im Museum of Modern Art in Warschau vertreten.

Basim Magdy ist nach Wangechi Mutu, Yto Barrada, Roman Ondák, Imran Qureshi, Victor Man und Koki Tanaka der siebte internationale Künstler, den die Deutsche Bank als „Künstler des Jahres“ ehrt. Die Auswahl für diese Auszeichnung erfolgt im Rahmen des Global Art Advisory Councils der Deutschen Bank, dem die renommierten Kuratoren Okwui Enwezor, Hou Hanru, Udo Kittelmann und Victoria Noorthoorn angehören. Im Fokus stehen vielversprechende Künstlerinnen und Künstler, die bereits ein künstlerisch wie auch gesellschaftlich relevantes Werk geschaffen haben, das die beiden Schwerpunkte der Sammlung Deutsche Bank einbezieht: Arbeiten auf Papier oder Fotografie.