Grandioses Glas
Viktor Mans „Zephir“ erstrahlt im Centre Pompidou

Als beträte man eine Kapelle: Den Auftakt zu Victor Mans Ausstellung in der Deutsche Bank KunstHalle bildete ein Bleiglasfenster, durch das in Blau- und Grüntönen schimmerndes Licht in den dämmerigen Ausstellungsraum fiel. Zephir – so betitelte Victor Man dieses über vier Meter hohe Bildobjekt, seine erste Glasarbeit, die er eigens für seine Schau als „Künstlers des Jahres“ 2014 konzipiert.  Hergestellt wurde die Arbeit in den Derix Glasstudios, wo auch Gerhard Richters Fenster für den Kölner Dom entstand. Jetzt hat die grandiose Glasarbeit ihren Platz in der Sammlung des Centre Pompidou gefunden, als Geschenk der Sammlerin Rodica Seward in Erinnerung an ihre Eltern. Schon sehr früh hat sie sich für den rumänischen Künstler engagiert. Zu sehen ist Zephir direkt am Eingang zur vierten, zeitgenössischen Positionen gewidmeten Etage des Pariser Museums.

Wie zahlreiche seiner Werke ist auch Victor Mans Glasfenster von der Kunstgeschichte inspiriert. Zephir, der Windgott der Antike, erscheint auf Botticellis berühmtem Gemälde Primavera (Frühling) als unheimliche, in tief blaue Tücher gehüllte Gestalt. Victor Man unterzieht die mythische Figur jedoch einer radikalen Verwandlung und lässt sie in einer dynamischen Komposition aus organischen und geometrischen Formen zersplittern. Schwingen und Knochen sind zu erkennen, Stern und Pentagramm. Angeregt wurde das Werk auch von seinen Erinnerungen an die Glaser und Scherenschleifer, die in seiner Kindheit in Siebenbürgen noch über Land zogen. Die Verbindung von Malereigeschichte und autobiographischen Erlebnissen ist prägend für das Werk von Victor Man, der gerade auch in Okwui Enwezors Ausstellung All The World‘s Futures auf der Venedig Biennale vertreten ist.

Centre Pompidou
Place Georges-Pompidou, Paris