Notes Towards a Model Opera
William Kentridges große Retrospektive in Peking

Er widmet sich den verdrängten Kapiteln der jüngeren Geschichte – dem Kolonialismus, der Apartheid in seinem Heimatland Südafrika oder dem Massaker an den Hereros, das er mit Black Box / Chambre Noire, seiner Auftragsarbeit für das Deutsche Guggenheim, heute Deutsche Bank KunstHalle, thematisierte. William Kentridges Animationsfilme und Zeichnungen sind hochpolitisch und doch meilenweit von jeder platten Agitation entfernt. Stattdessen setzen sie auf Mehrdeutigkeit und die suggestive, poetische Kraft der Bilder.

Mit seinem ersten Auftritt in China auf der von Hou Hanru kuratierten Shanghai Biennale von 2000 begeisterte Kentridge nicht nur die Kritiker sondern inspirierte auch junge Künstler wie Sun Xun, der wie der Südafrikaner bei seinen Animationen mit expressiven Handzeichnungen arbeitet. Das Ullens Center for Contemporary Art (UCCA) in Peking widmet Kentridge nun mit Notes Towards a Model Opera die bislang umfangreichste Schau im asiatischen Raum. Zu den 25 Arbeiten zählen frühen Animationsfilme, die um Kentridges Alter Ego Soho Eckstein kreisen und aufwendige Videoinstallationen wie The Refusal of Time, die 2012 auf der documenta 13 für Furore sorgte. Der Titel der Ausstellung ist einer Installation entlehnt, die im UCCA ihre Premiere erlebt und für die Kentridge die Bildsprache der klassischen chinesischen Propagandakunst adaptiert. Nach ihrer Premiere in Peking gastiert die Schau auch im National Museum of Modern and Contemporary Art in Seoul und dem Sifang Art Museum in Nanjing.

William Kentridge: Notes Towards a Model Opera
27.06. – 30.08.2015
Ullens Center for Contemporary Art, Peking