Erfolgsgeschichte
Die 50. Ausgabe der ART COLOGNE

Die ART COLOGNE wurde 1967 gegründet und findet in diesem Jahr zum 50. Mal statt. Die Deutsche Bank feiert dieses Jubiläum mit einer Sonderausstellung: Auf der Messe zeigt sie 50 Kunstwerke aus ihrer Sammlung, die 1967 entstanden sind. Darüber hinaus fördert die Bank erneut den Sektor „NEW CONTEMPORARIES“. Was die Jubiläumsausgabe der Messe außerdem noch zu bieten hat, verrät Achim Drucks.
Es war ein geradezu revolutionärer Schritt: 1967 gründeten Kölner Galeristen die weltweit erste Messe für zeitgenössische Kunst. Sie wollten ein neues Kunstzentrum etablieren, junge deutsche Künstler fördern, Sammler für aktuelle Positionen begeistern die deutsche Galerienszene stärken. Dieser Plan ging auf. Was beim „Kunstmarkt Köln '67“ mit 18 deutschen Galerien im historischen Gürzenich begann, lockt dieses Jahr 219 Teilnehmer aus 25 Ländern in die großzügigen Messehallen in Köln-Deutz. Und noch immer weist das Rheinland eine der höchsten Künstler- und Sammlerdichten in Deutschland auf..

Als Partner der ART COLOGNE ist natürlich auch die Deutsche Bank auf der Jubiläumsausgabe der Messe präsent – mit der Sonderausstellung 1967 – Ein Jahr in 50 Kunstwerken. Diese Auswahl von Arbeiten aus der Unternehmenssammlung veranschaulicht die Aufbruchsstimmung, die damals die gesamte Bundesdeutsche Gesellschaft erfassen sollte. Ob Georg Baselitz’ anti-heroischer Hundejunge, Rupprecht Geigers flimmernde Farbkompositionen oder Uwe Lausens Abrechnung mit der Generation seiner Eltern – immer spürt man in der Ausstellung den Geist des Neubeginns. Besonders deutlich machen das die Werke aus der Mappe Grafik des Kapitalistischen Realismus, die von René Block herausgegeben wurde. Als einer der jüngsten Galeristen Deutschlands zählte Block zu den wichtigsten Wegbereitern der progressiven Gegenwartskunst und nahm auch am ersten „Kunstmarkt Köln“ teil. Alle in seiner Mappe vertretenen Künstler eint ihre kritischen Kommentare zur westlichen Konsumgesellschaft. Nicht ohne Witz taucht Karl Horst Hödickes Magic Window Cleaner II die Welt in Rot, während KP Brehmers Das Gefühl zwischen Fingerkuppen die Botschaften der Werbung ad absurdum führt. Wolf Vostells Starfighter, Sigmar Polkes Wochenendhaus oder Konrad Luegs Babies sind auch nach einem halben Jahrhundert unübertroffen in ihrer Kühle und Ironie. Dass diese Künstler gemeinsam mit Block ihre Arbeiten als Sieb- und Offsetdrucke herausgaben, war Teil ihrer Idee der Demokatisierung der Kunst. Ganz bewusst zielten sie auf eine Neudefinition des Kunstmarktes ab, indem sie bezahlbare und avantgardistische Kunst für jedermann produzierten – ohne didaktischen Zeigefinger. „Pop mit Profit“ betitelte ‚Der Spiegel‘ seinen Bericht über die erste Ausgabe der Messe und konstatierte ein großes Publikumsinteresse an der Kunst der Gegenwart.

Heute begegnet man den innovativen Positionen vor allem bei den NEW CONTEMPORARIES. Der von der Deutschen Bank gefördert Sektor ermöglicht Galerien, die nicht älter als zehn Jahre sind, die Teilnahme an der ART COLOGNE zu vergünstigten Konditionen. Ausgewählt wurden unter anderem Nanzuka (Tokio), Hezi Cohen (Tel Aviv) oder Kate Werble (New York). Besonders gut vertreten ist die Berliner Szene: Namen wie Aanant & Zoo, Chert, Duve, EXILE oder Soy Capitán stehen dabei für eine starke Programmatik und kuratierte Präsentationen. Soy Capitán setzt auf die knallbunten Gemälde von Grace Weaver, die sich um Themen wie Jugend und Liebe drehen. Es sind Bilder wie Pop Songs, in denen die New Yorkerin Einflüsse von Warhol, Balthus und indischer Miniaturmalerei verbindet. Wem das zu verspielt ist, wird vielleicht bei Aanant & Zoo fündig, wo Michael Müllers konzeptuelle Zeichnungen zu sehen sind.

Die Schwergewichte unter den internationalen Galerien finden sich in der „Contemporary Art“, der größten Sektion der Messe. Erstmals dabei oder nach Köln zurückgekehrt sind Perrotin (Paris), Max Hetzler (Berlin/Paris) oder Krinzinger (Wien). Unter den langjährigen Ausstellern finden sich Namen wie Hauser & Wirth (Zürich, London, New York), Thaddaeus Ropac (Salzburg/Paris), Sprüth Magers (Berlin, London, Los Angeles) oder David Zwirner (New York, London).

Im Sektor „Collaborations“ geht es nicht nur darum, Kooperationen mit Künstlern sondern auch zwischen Galerien zu fördern. So kuratieren Kalfayan (Athen/Thessaloniki) und mirko mayer/m-projects (Köln) eine Gruppenausstellung zu Migration, Entwurzelung und Identität – Themen, die auch die aktuellen gesellschaftlichen Debatten beherrschen. Ein weiterer Höhepunkt ist das Projekt von Guido W. Baudach (Berlin) und Delmes & Zander (Köln/Berlin). Sie zeigen Thomas Zipp, der auch in der Sammlung Deutsche Bank vertreten ist, im Dialog mit Adelhyd van Bender – einem 2014 verstorbenen Outsider, der abertausende von Papierbögen mit geometrischen Formen und Farbfeldern bedeckte. Beide Künstler teilen ein Interesse an Mathematik und Ordnungssystemen, aber auch an Spiritualität und dem Unterbewussten. Die gemeinsame Präsentation erinnert an eine absurde Versuchsanordnung, die das Chaos der Welt mit Hilfe wissenschaftlicher Systematik zu bannen versucht.

Für die wohl aufsehenerregendste Aktion der diesjährigen Art Cologne sorgt Stuart Ringholt. Der Australier ist gleich mit zwei Projekten auf der Messe vertreten. Vor der Eingangshalle platziert er fünf Autos, auf deren Kennzeichen Worte wie "Kurator" oder "Kunstkritiker" zu lesen sind. Werden solch personalisierte Kennzeichen üblicherweise an Luxuskarossen angebracht, zieren sie hier ausrangierte Kleinwagen, die wie Fremdkörper auf dem Parkplatz stehen – als sarkastische Kommentare zum Statusdenken in der Kunstszene. Um den Verzicht auf Statussymbole geht es in Ringholts Privatführungen über die Messe. Bei ihnen wird man keine Prada-Handtaschen oder Margiela-Blusen sehen, denn wie der Künstler sind auch alle Teilnehmer nackt. Ringholt, der mit seinen Performances und Workshops bereits auf der Sydney Biennale und der documenta vertreten war, hat diese Aktion schon im Museum of Contemporary Art in Sydney und der National Gallery of Art in Canberra durchgeführt. Sein Ziel ist es, das Publikum durch eine ungewohnte Rezeptionserfahrung zum Bestandteil des Kunstwerks werden zu lassen. Die Führungen finden außerhalb der Öffnungszeiten der Messe und unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Vielleicht wird nicht jeder der Teilnehmer die Kunst dabei neu erleben. Doch auf jeden Fall hat er sich aus seiner Komfortzone hinausgewagt – und darum sollte es in der Kunst ja auch gehen, zumindest hin und wieder.


ART COLOGNE 2016
14.-17.04.2016
Halle 11, Messegelände Köln-Deutz