Freundinnen im Wochenendhaus
Das Städel Museum zeigt Sigmar Polkes frühe Grafiken

Radierung  – das klingt nach exklusiver, großer Kunst, nach Rembrandt oder Goya, Offsetdruck dagegen nach Zeitung und Massenproduktion. Deshalb ist es nur konsequent, dass sich Sigmar Polke 1967 genau für diese vermeintlich triviale Drucktechnik entscheidet, um seine erste grafische Arbeit zu realisieren. Freundinnen zeigt eines der typischen Polke-Motive dieser Jahre: zwei in modischen Bikinis posierende Badeschönheiten. Zusammen mit rund 30 Werken ist dieses Blatt aus der Sammlung Deutsche Bank jetzt in der Graphischen Sammlung des Städels zu sehen. Das Frankfurter Museum zeigt mit Sigmar Polke. Frühe Druckgrafik ausgewählte Arbeiten, die zwischen 1967 und 1979 entstanden sind. Kuratorin Jutta Schütt konnte aus dem Vollen schöpfen: Dank der Deutschen Bank, die dem Städel Museum 600 Werke aus ihrer Sammlung als Leihgabe überließ, besitzt das Museum nun nahezu das komplette grafische Frühwerk Sigmar Polkes.

Polkes erste Grafiken wie Freundinnen oder Wochenendhaus setzen sich mit der Bilderwelt der Wirtschaftswunderjahre auseinander und visualisieren die Sehnsüchte der jungen Bundesrepublik. Bereits 1963 hatte Polke gemeinsam mit Gerhard Richter den „Kapitalistischen Realismus“ proklamiert – eine genuin deutsche Antwort auf die amerikanische Pop Art. Die für Polke so typische Ironie kommt auch in den vierzehn  Offsetdrucken aus der Serie ...Höhere Wesen befehlen zum Ausdruck. Luftballons oder ein Zollstock werden hier wie avantgardistische Skulpturen inszeniert. Die Hippie-Phase in Polkes Werk dokumentiert Mu nieltnam netorruprup. Dominiert wird das Blatt von einem riesigen Fliegenpilz, den eine Gruppe Indianer quasi anbetet. Es entstand 1975, als der Künstler in einer Kommune in der niederrheinischen Provinz lebte und sich psychedelischen Einflüssen hingab. Die Kabinettausstellung endet mit der 1979 entstandenen Collage Der große Kopf, in der er die unterschiedlichen Stilmittel seiner frühen Arbeiten miteinander kombiniert. Zugleich deutet der freie, spielerische Umgang mit der Farbe schon seine nächste Werkphase an: In den 1980er Jahren beginnt Polke mit sich verändernden Thermo- und Hydrofarben oder Substanzen wie Silbernitrat und Eisenglimmer zu experimentieren, was ihm später seinen Ruf als Alchemist einbringen wird.

Sigmar Polke. Frühe Druckgrafik
02.03.–22.05.2016
Städel Museum, Frankfurt am Main