100 Hours per Minute
Drei Fragen an Jamie Zigelbaum

Jamie Zigelbaum bezeichnet sich als „Science-Fiction-Hexenmeister“. Die Zutaten zu seinem Gebräu sind allerdings digitale Bilder, Daten und Pixel. So auch bei „100 Hours Per Minute“, seiner interaktiven Bildschirminstallation, die seit kurzem im Innovationslab der Deutschen Bank im Silikon Valley zu sehen ist. 100 Stunden Filmmaterial wird jede Minute auf YouTube hochgeladen. Aus diesem beständig wachsenden Bildarchiv generiert Zigelbaums Installation eigene Video-Clips. Besucher und Mitarbeiter können über Twitter Suchbegriffe für YouTube eingeben. Ein spezielles Softwareprogramm bereitet aus den gefundenen Videos ein psychedelisches Mash-Up. ArtMag hat den in Brooklyn lebende Künstler zum ersten elektronischen Kunstwerk in der Sammlung Deutsche Bank befragt.
Worum ging es Ihnen bei „100 Hours per Minute”?

Jamie Zigelbaum: Ich wollte herausfinden, ob ich diese 100 Stunden Videos, die jede Minute auf YouTube hochgeladen werden, tatsächlich fühlbar machen kann. All diese Amateurfilme, Werbe- und Musikvideos, Vorträge, Internetphänomene wie Memes, also mit witzigen Sprüchen kombinierte Bilder, Songs – man erfährt in diesem persönlichen Format sehr viel über die Menschen. Es überschreitet  allerdings  die menschliche Vorstellungskraft, ein Gefühl für diese Masse an Informationen zu entwickeln. Auf YouTube und auch sonst überall begegnen wir ständig diesen Daten, doch man kann so viel klicken wie man will – ihre Größenordnung lässt sich trotzdem nicht erfassen.

Sie  sagen, dass wir von Bildern geradezu überschwemmt werden. Warum fügt Ihre Installation dieser Flut weitere Bilder hinzu?

Es ging mir nicht darum, die Zahl der Videos, die „im Äther“ unterwegs sind, zu reduzieren, sondern zu überlegen, ob sich diese Masse doch irgendwie für einen Menschen begreifbar machen  und ob sich eine andere Sichtweise daraus entwickeln lässt.

Obwohl sich die Bilder bei „100 Hours per Minute” nach dem Zufallsprinzip überlagern, sind die kurzen Clips, die dabei entstehen, sehr ästhetisch. Wie wichtig ist Schönheit für Ihre Arbeit?

Die Welt empfinde ich oft als sehr schön und meine Arbeit beschäftigt sich nun mal mit der Welt. Die Arbeit soll deshalb auch schön sein – solange diese Schönheit  nicht vom Inhalt ablenkt. Komplexe Themen und Ideen, die ich nicht völlig verstehe, das interessiert mich. Ich betrachte Schönheit, Vergnügen und Humor als Mittel, dem Publikum den Zugang zu dem, worum es mir geht, zu erleichtern.