Cattelans Comeback
Die Frieze Week in New York

Die Frieze London machte letztes Jahr den Anfang und brachte anlässlich ihrer 13. Ausgabe erstmals „Frieze Week“ heraus. Das Magazin lieferte nicht nur Hintergrundinformationen zur Messe, sondern auch zu dem, was die Kunstszene der britischen Hauptstadt außerhalb der Zelte im Regent‘s Park noch alles zu bieten hatte. Wie die Londoner Messe wird auch die Frieze New York von der Deutschen Bank gesponsert. Und auch sie hat jetzt ihre eigene Ausgabe der „Frieze Week". Zu berichten gibt es viel, denn auch in den Museen und Kunsträumen von Manhattan, Brooklyn und Queens stehen zur Frieze einige der spannendsten Ausstellungen des Jahres auf dem Programm.

Zu den größten Attraktionen zählt das neue Met Breuer, das jetzt im Gebäude des ehemaligen Whitney Museums an der Madison Avenue eröffnete. Für acht Jahre macht das Metropolitan Museum in Marcel Breuers brutalistischer Betonfestung Station. In den aufwendig renovierten Räumen mit ihren grauen Schieferböden, Bronzetüren und Gussbeton-Decken zeigt sich das Metropolitan von seiner experimentellen Seite: Gegenwartskunst zeigt man  im Dialog mit älteren Werken und stellt Künstler jenseits des westlichen Kanons vor. Welche faszinierenden Möglichkeiten dieses Konzept bietet, belegen die ersten beiden Ausstellungen: Mit Nasreen Mohamedi präsentiert das Met Breuer eine echte Neuentdeckung. Die abstrakten Zeichnungen der 1990 verstorbenen Inderin stehen für einen Minimalismus, der westliche und östliche Einflüsse verbindet. Parallel dazu ist Unfinished. Thoughts Left Visible dem ganz spezifischen Reiz unvollendeter Kunstwerke gewidmet. Die ambitionierte Schau spannt einen Bogen von Tizian und Rembrandt über Cézanne und Pollock bis zu Gegenwartskünstlern wie Urs Fischer oder Robert Gober. Aber auch das Met-Mutterhaus an der Fifth Avenue bietet Frieze-Besuchern einen guten Grund für einen Abstecher ins Zentrum von Manhattan: Cornelia Parker, die auch in der Sammlung Deutsche Bank vertreten ist, präsentiert hier eine Hommage an Alfred Hitchcock. Im Dachgarten des Museums installierte sie einen verkleinerten Nachbau des Wohnhauses von Norman Bates, dem „Helden“ von  Hitchcocks Thriller Psycho. Dem bei gutem Wetter sehr beliebten Treffpunkt mit seinem grandiosen Blick auf die Skyline von New York verleiht die die britische Konzeptkünstlerin mit ihrer Intervention einen etwas sinisteren Touch.

Sommerlich unbeschwert präsentiert sich dagegen die von der Deutschen Bank geförderte Roberto Burle Marx-Retrospektive in Jewish Museum. Der brasilianische Landschaftsarchitekt gestaltete Gärten und Parks, deren Grundrisse an kubistische Gemälde erinnern. Berühmtheit erlangten seine beschwingten Mosaikpflaster für die Copacabana in Rio de Janeiro. Mit abstrakten Ornamenten aus weißem Kalkstein und schwarzem Basalt verwandelte er die Strandpromenade in ein 4 Kilometer langes Kunstwerk. Doch Burle Marx ging nicht nur als Landschaftsarchitekt neue Wege: Mit einer Auswahl seiner farbintensiven Gemälde, Skulpturen, Keramiken, Bühnenbilder und Teppiche präsentiert das Jewish Museum die ganze Bandbreite seiner Kreativität. Und dass sein Werk auch heute noch zahlreiche Künstler inspiriert, belegen Arbeiten von Dominique Gonzalez-Foerster, Nick Mauss und Beatriz Milhazes.

Wer wissen möchte, was die Künstler im Mittleren Osten und in Nordafrika gerade beschäftigt, sollte sich But a Storm Is Blowing from Paradise im Guggenheim nicht entgehen lassen. Mit dabei sind auch Künstler aus der Sammlung Deutsche Bank wie Kader Attia, Ori Gersht und Zineb Sedira. Im Museum of Modern Art erfährt man, warum der poetische Konzeptualist Marcel Broodthaers noch immer wegweisend ist, während das Whitney Museum mit Human Interest einen frischen Blick auf eines der klassischsten Genres der Kunst wirft : das Porträt.

Laut wird es im Brooklyn Museum. Hier ist Tom Sachs’ Boombox Retrospective zu sehen: Skulpturen aus Ghettoblastern, für die der Künstler natürlich auch die passende Musik zusammengestellt hat. Jugend- und Straßenkultur spielt auch im Werk von Cao Fei eine zentrale Rolle. Im PS1 präsentiert sie ihre erste umfassende Einzelausstellung in einem amerikanischen Museum. Cao Fei, der seit 2011 in den Frankfurter Deutsche Bank-Türmen eine ganze Etage gewidmet ist, gilt als eine der spannendsten chinesischen Gegenwartskünstlerinnen und gehört zur ersten im zur ersten im Postkommunismus aufgewachsenen Generation. In ihren Filmen, Performances und Installationen beschreibt sie kritisch den Zustand der durch Urbanisierung und rasanten technologischen wie sozialen Wandel geprägten Gesellschaft in ihrem Heimatland.

Höhepunkt der Frieze Week ist die Messe selbst. Mehr als 200 internationale Galerien von A Gentil Carioca (Rio de Janeiro) bis Zwirner (New York/London) bieten einen Überblick über die aktuelle Kunst weltweit. So zeigt Herald St (London) neue Arbeiten von Markus Amm. Ramin & Rokni Haerizadeh und Hesam Rahmanian verwandeln den Stand der Gallery Isabelle van den Eynde (Dubai) in eine für das Kunstkollektiv so typische wild wuchernde Installationen. Und hunt kastner (Prag) präsentieren Basim Magdy, dem die Deutsche Bank KunstHalle gerade eine Einzelausstellung widmet. Frieze Besucher können den Deutsche Bank „Künstler des Jahres“ 2016 auch persönlich erleben: Im Reading Room, einem neuen Messebereich, in dem sich die weltweit führenden Kunstpublikationen vorstellen, trifft Omar Kholeif, Senior Curator am Museum of Contemporary Art Chicago, zum Künstlergespräch. Auch die Deutsche Bank ist auf der Frieze New York präsent: In ihrer Lounge zeigt sie ausgewählte Arbeiten von Xaviera Simmons.

Für Überraschungen sorgt auch das Rahmenprogramm der Messe. Neben hochkarätig besetzten Talks sind das vor allem die Frieze Projects. Dieses Jahr mit dabei: Alex Da Corte, der einen riesigen Ballon über den Messezelten auf Randall's Island aufsteigen lässt, und David Horvitz, der einen professionellen Taschendieb beauftragt, den Besuchern Miniaturskulpturen in ihre Taschen zu schmuggeln. Ein ganz besonderer Coup ist Projects-Kuratorin Cecilia Alemani gelungen, die Maurizio Cattelan aus dem Ruhestand geholt hat. Denn eigentlich hatte sich der Provokateur nach seiner Guggenheim-Retrospektive All 2012 von der Kunstwelt verabschiedet. Doch für eine Hommage an die Daniel Newburg Gallery kehrt er doch noch einmal zurück. Zwischen 1984 und 1994 ermöglichte Daniel Newburg vor allem zukunftweisenden Positionen aus Europa ihr Debüt in New York, etwa John Armleder und Rudolf Stingel oder eben Cattelan, der die letzte Ausstellung der Galerie bestritt. Sie bestand aus gerade einmal zwei Exponaten – einem opulenten Kristallleuchter und einem lebendigen Esel. Dessen ohrenbetäubendes I-Ah-Geschrei führte allerdings dazu, dass die Schau auf Grund von Beschwerden der Nachbarn nach nur einem Tag wieder geschlossen wurde. Womit er die Besucher der Frieze New York konfrontieren wird ist noch streng geheim. Nur eines verrät Cecilia Alemani vorab: Cattelan plane „etwas ziemlich Respektloses“.

Frieze New York
Randall's Island Park
5. – 8. Mai 2016

Artist’s Talk Basim Magdy
The Stars Were Aligned for a Century of New Beginnings: Basim Magdy talks with Omar Kholeif
Freitag,6.  Mai, 14.30 Uhr
Reading Room