„Malerei als Ekstase“
Die Presse über Jackson Pollocks „Mural“ in der Deutsche Bank KunstHalle

In der Ausstellung „Jackson Pollock’s 'Mural': Energy Made Visible“ beleuchtet die Deutsche Bank KunstHalle die Entstehung dieses Meisterwerks und seinen Einfluss auf die amerikanische Malerei. Als Pollocks Gemälde 1943 erstmals gezeigt wurde, begeisterte es das Publikum und auch heute noch können sich Kunstkritiker seiner Faszination nicht entziehen.
Für Die Zeit ist Jackson Pollocks „Mural“ eines der „wichtigsten Werke der amerikanischen Moderne“. Und wenn dieses Meisterwerk in Berlin zu Gast ist, dann ist schon die Hängung der monumentalen Leinwand einen ausführlichen Bericht wert. Ina Lockhart hat für die Welt am Sonntag protokolliert, wie das mit 15 Quadratmetern größte Gemälde Pollocks in der Deutsche Bank KunstHalle installiert wurde: „Der Besucher der Ausstellung wird später keinen Anhaltspunkt mehr finden, wie aufwendig es war, das Farbwirbelgemälde aus der Transportkiste zu holen und aufzuhängen: Das massive Action Painting wiegt 200 Kilogramm. Wer weiß, wie leicht Leinwände, die schwere Farbe tragen, zu flattern und zu brechen beginnen, kann sich die Präzisionsarbeit vorstellen.“ Die schiere Größe des Gemäldes war bereits für seinen Schöpfer eine Herausforderung berichtet die BZ. „Jackson Pollock musste, um es malen zu können, dafür einst eine Wand seines Ateliers einreißen.“ Der Aufwand hat sich gelohnt: „Mural“, so das Neue Deutschland, „glich einer Sensation.“

Als ein „Meisterwerk der Maßlosigkeit“ charakterisiert Nicola Kuhn vom Tagesspiegel Pollocks Auftragsarbeit für die Sammlerin und Mäzenin Peggy Guggenheim. „Die kaum gezügelte Wildheit der Malerei, die rauschhafte Energie beim Entstehungsprozess frappiert noch Jahrzehnte nach der Entstehung. (…) Was Les Demoiselles d’Avignon von Picasso für die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts bedeutet, stellt Mural für die zweite Hälfte dar: eine Zäsur. Danach war die Malerei eine andere, sie wurde Ekstase.“ Für Ingeborg Ruthe, die für Frankfurter Rundschau und Berliner Zeitung berichtet, „verkörpert das Gemälde die Abkehr vom Tradierten. Es ist die Geburtsstunde des Abstrakten Expressionismus. In Mural ließ Pollock semi-abstrakte Gestalten, eine Art Dämonen, Irrwische, Vogelköpfe, Schlangenleiber und bizarre Augen-Gewächse tanzen, wirbeln, fast gewalttätig, wie von einer wild aufspielenden Jazzband getrieben.“ Um die Verbindung von Pollocks Werk zu Swing und Bebop geht es im Beitrag von Jan Kedves für die Süddeutsche Zeitung, der die Schau in der KunstHalle gemeinsam mit der Archibald Motley-Retrospektive im New Yorker Whitney Museum und I Got Rhythm im Kunstmuseum Stuttgart bespricht – zwei großen Ausstellungen, in denen es um die Einflüsse des Jazz auf die bildende Kunst geht. Auch für Marie Kaiser, die wöchentlich in ihrer Kolumne Kunststück für Radio Eins die spannendsten Ausstellungen in Berlin bespricht, gleicht das Gemälde einer visuellen „Musik, bei der die Farben rhythmisch über die riesige Leinwand hüpfen.“

So groß wie die kunsthistorischen Bedeutung von Mural war auch das Interesse der Journalisten am Gastspiel des Gemäldes in der KunstHalle: Der rbb schickte ein Kamerateam und berichtete gleich in mehreren Sendungen, so unterschiedliche Medien wie Stern, Bild, Fokus, tip, Westfälische Nachrichten, N24, Portal Kunstgeschichte, kulturradio, Artnet und Kunstmarkt.com wiesen auf die Ausstellung hin. Für die Art zählte Jackson Pollock’s 'Mural': Energy Made Visible zu den „aufregendsten Ausstellungen der Woche“, für Kulturnews sogar schon jetzt zu den „besten Ausstellungen 2016“.  
 
„Pollock-Fans werden ins Kunsthaus Unter den Linden pilgern wie in einen Wallfahrtsort“, schreibt Gabriela Walde in der Berliner Morgenpost. „Denn Mural, das versteht man schnell in dieser klugen, übersichtlichen Ausstellung, ist ein Bild auf dem direkten Weg zu den abstrakt-expressiven Drip paintings“. Pollock begründete den Abstrakten Expressionismus „mit dieser monumentalen, auftrumpfenden und einflussreichen Komposition“, so Michael Nungesser im Kunstforum. „Das erklärt die gleichsam bildmonographische Ausstellung mit Mural als ikonischem Zentrum.“

In der Kunstzeitung zieht Bernhard Schulz folgendes Fazit: „Pollock gelingt in diesem Werk erstmals eine völlige Befreiung der Formen und Farben, die sich als eine unendliche Wiederholung über den Bildträger verbreiten: die Geburt des all-over.“ Besonders spannend findet Schulz, dass die Ausstellung neben Gemälden und Zeichnungen auch Fotografien zeigt, von denen Pollock beeinflusst wurde. Das sieht Brigitte Werneburg von der taz ganz ähnlich. Für sie kündet Mural „den Aufbruch des amerikanischen Abstract Expressionism an (…). Besonders interessant ist dabei die bislang wenig untersuchte Rolle der zeitgenössischen Fotografie hinsichtlich Jackson Pollocks Drang nach einer modernen Malerei, in der die Dynamik und Rasanz der modernen Welt/Wahrnehmung ihren adäquaten Ausdruck finden sollte.“