Die Spur der Steine
Yto Barrada in der Secession

2016 ist Yto Barradas Jahr: Die Künstlerin nahm an der Manifesta und der Marrakech Biennale teil, steht auf der Shortlist für den renommierten Prix Duchamps und hat diesen Herbst gleich drei Einzelausstellungen. Nach der Secession in Wien zeigen auch das M Museum Leuven und The Power Plant in Toronto eine Auswahl ihrer jüngsten Werke. Bereits als sie 2011 als „Künstlerin des Jahres“ 2011 der Deutschen Bank im Deutsche Guggenheim ihre Ausstellung Riffs zeigte, galt Barrada als eine der interessantesten Künstlerinnen Nordafrikas. Inzwischen ist sie eine feste Größe in der internationalen Kunstszene.

Seit Beginn ihrer künstlerischen Laufbahn setzt sich Yto Barrada intensiv mit den gesellschaftlichen Realitäten in ihrem Heimatland Marokko auseinander. Dabei dient ihr die Küstenstadt Tanger als künstlerisches Experimentier- und Recherchefeld für Foto- und Videoinstallationen, Skulpturen und Interventionen. Bekannt wurde sie vor allem durch ihre fotografische Arbeit, die die Mittel der Dokumentarfotografie nutzt, um eine völlig neue, eigenständige Form politischer Kunst zu etablieren.

Häufig widmet sich Barrada Themen wie Schmuggel, der subversiven Aneignung öffentlicher Räume oder Schatten- und Parallelwirtschaften. Im Zentrum ihrer aktuellen Ausstellung in der Secession steht jetzt das Geschäft mit echten und gefälschten Fossilien. So zeigt der 2015 entstandene Essay-Film Faux Départ (False Start) paläontologische Fundstellen und den „Dinosaurier-Tourismus“ in der Region zwischen dem Atlasgebirge und der Sahara. Hier werden die Überreste längst ausgestorbener Tiere ausgegraben, präpariert – und immer öfter auch gefälscht. Mit Empathie und Faszination beobachtet Barradas Film die Arbeit der sogenannten Präparatoren, die bei der Erschaffung dieser Artefakte bemerkenswerte Geschicklichkeit und umfassende Kenntnisse beweisen. Mit ihren Produkten müssen sie nicht nur arglose Touristen, sondern auch Sammler überzeugen. Die Künstlerin zeigt die Kreativität, die aus den prekären Lebensbedingungen in dieser von Armut geprägten Wüstenregion resultiert.

Handwerk ist ein Thema, das die derzeit in New York lebende Künstlerin schon seit langem interessiert. In der Secession dokumentiert das auch eine Auswahl ihrer Textilarbeiten. In mehreren Vitrinen zeigt Barrada Musterbücher, in denen hunderte von Stoffproben eine intensive Beschäftigung mit traditionellen Färbetechniken dokumentieren. Für diesen experimentellen Geist stehen auch ihre neuen Fotoarbeiten, die eigens für die Ausstellung entstanden sind. An die Seite ihrer eher dokumentarischen Aufnahmen treten jetzt auch farbige Fotogramme, die wie die Textilarbeiten ihrem Werk ein dezidiert malerisches Element hinzufügen.


Yto Barrada
The Sample Book
bis 01.11.2016
Secession, Wien

Yto Barrada
30.09.16 - 17.01.17
M - Museum Leuven

Yto Barrada
15.10.16 – 02.01.17
The Power Plant, Toronto