„Reise in eine futuristische Vergangenheit“
Basim Magdy in der Deutsche Bank KunstHalle

„Die Sterne standen gut für ein Jahrhundert des Neubeginns“ – so der Titel der ersten großen institutionellen Ausstellung von Basim Magdy in der Deutsche Bank KunstHalle. Die Presse ist begeistert von den Filmen, Dia-Installationen und Papierarbeiten des „Künstlers des Jahres“ 2016.
„Eindeutigkeit interessiert ihn nicht“, schreibt Amelia Wischnewski in ihrem Basim Magdy-Porträt für das Magazin art. „Der glatte, grafische Stil seiner Bilder und die fröhlichen Gelb-, Blau- und Rosatöne wirken einladend, als wollten sie dem Betrachter nichts als kurzweiligen Spaß bringen. Eine Falle. Magdy nimmt harten Themen wie Krieg, Verlust und Tod durch den lebhaften Einsatz von Farbe ihre Schwere. Die komplexen Werktitel trägt er wie eine zusätzliche Schicht auf seine Arbeiten auf. Sie sind mysteriös, witzig und lesen sich wie Kurzgeschichten. Die Lust daran, Verwirrung zu stiften, ist spürbar“. Diese Verwirrung ist ganz im Sinne des Künstlers, wie er in einem ausführlichen Interview mit der Internet-Kunstplattform Bpigs erklärt: „Ich versuche, die Dinge aus einem ungewöhnlichen Blickwinkel zu betrachten, nicht so, wie man diese Phänomene oder Bilder normalerweise wahrnehmen würde. Ich versuche, alternative Sichtweisen aufzuzeigen.“

Immer wieder betonen die Journalisten das Spannungsverhältnis zwischen den poppigen Oberflächen und den existenziellen Themen seiner Bilder. So schreibt Karolina Wrobel in kunst:art: „Das Ausgeliefertsein – ein Prozess, dem die Gesellschaft durch Zukunftskonzepte entgegenzuwirken versucht – endet im Werk von Basim Magdy nicht in einer monochromatischen Ödnis, sondern im Farbenrausch.“ Museumreport.de erklärt: „Mit in ihrer Farbigkeit psychedelisch anmutenden Bildern und Montagen hinterfragt der Künstler kollektive Utopien.“ Für Irmgard Berner von der Berliner Zeitung gleichen Magdys Werke „flüchtigen Erzählungen, die sich überlagern, oszillieren und die er – hoffnungsfroh vielleicht doch – in alle Spektralfarben auflöst.“ In der Kunstzeitung spricht Andrea Hilgenstock von einer „imaginären Reise in eine futuristische Vergangenheit“, während Natalia Masewicz auf Blouin Artinfo bemerkt: „In seinen Arbeiten befasst sich der 1977 in Ägypten geborene und in Basel und Kairo lebende Künstler mit der These, dass die Zukunftsobsession der Gesellschaft heute untrennbar mit ihrer Unfähigkeit, sich mit der Vergangenheit auszusöhnen, verbunden ist.“ Marie Kaiser, die in ihrer Rubrik „Art aber fair“ auf Radio Eins jede Woche eine wichtige Ausstellung in Berlin vorstellt, fasst ihre Eindrücke so zusammen: „Egal ob Magdy Filme, Gemälde oder Fotos macht, er erzählt uns damit Geschichten von der Zukunft, die uns auch die Gegenwart sehr kritisch betrachten lassen – und das ohne den Humor zu verlieren“.

„Es sind melancholische Reiche, die Basim Magdy vor den Betrachtern ausbreitet, tiefgründig, abgründig“, schreibt Daniel Völzke in Monopol. Seine „Filme sind wie Träume: Collagen aus Erinnerungsfetzen, unverbunden und doch sinnhaft zusammengesetzt.“ Dazu bemerkt Claudia Wahjudi im tip: „Seine Filme sind Essays über die Unfähigkeit, von alten Wegen abzuweichen. (…) Endzeit-Romantik herrscht hier nicht. Es sind Magdys literarischer Humor sowie die Kluft zwischen Text und Bild, die Erkenntnis von Relationen ermöglichen – etwa darüber, wie kurzlebig Macht ist.“ Kulturnews verweist auf die aktuelle Situation in Magdys Heimatregion: „Viele beklagen den Rückfall nahöstlicher Gesellschaften nach dem kurzen arabischen Frühling in Bürgerkrieg und Konterrevolution, aber immer wieder hört man dann doch von Dingen, die Anlass zur Hoffnung geben. Zum Beispiel die Kunst des Ägypters Basim Magdy: Die ist zwar einerseits politisch, andererseits durchzogen von hintergründigem Humor und Ironie, die ihr jeglichen Fanatismus austreiben.“

„Der ägyptische Künstler positioniert sich als Mahner, auch wenn das bei dem angenehm leichten Flow seiner Bilder leicht übersehen werden kann“, schreibt Nicola Kuhn im Tagesspiegel und fügt hinzu: „Jeder spürt sogleich, dass etwas mächtig schiefläuft in diesem Jahrhundert des Neubeginns.“ Jochen Stöckmann von Deutschlandradio Kultur betont die nachhaltige Wirkung von Magdys Bild-Text-Kombinationen. Sie „verunsichern unseren Blick auf die Realität, die angeblich alternativlose. (…) So ruft Magdy Imaginationen wach, lässt Bilder entstehen, die tage-, wochenlang im Gedächtnis bleiben, weiterarbeiten, sich selbständig machen.“