Die Kunst der Collage
Gert & Uwe Tobias im Sprengel Museum Hannover

Spätestens seit ihrer Einzelausstellung 2007 im New Yorker MoMA zählen Gert & Uwe Tobias zu den Stars der internationalen Kunstszene. Bekannt wurden die 1973 im rumänischen Kronstadt (Brașov) geborenen und mittlerweile in Köln lebenden Zwillingsbrüder mit ihren großformatigen ornamentalen Holzschnitten. Im Sprengel Museum in Hannover lassen sie jetzt – unterstützt von der Deutschen Bank – ihre jüngsten Collagen in einen Dialog mit ausgewählten Werken aus der Sammlung des Hauses treten. Ein Ankauf aus der Ausstellung für die grafische Sammlung des Museums wird ebenfalls durch die Deutsche Bank ermöglicht.

Das Prinzip der Collage bestimmt auch die Entstehung der Papierarbeiten, Gemälde und Keramiken von Gert & Uwe Tobias. Im gemeinsamen Atelier arbeiten sie einzeln am jeweiligen Werk – ein Prozess, bei dem der eine Bruder immer wieder auf die Interventionen des anderen reagiert. Dieses Prinzip bestimmt jedoch nicht nur ihr Arbeitsverhältnis. In ihren Werken kombinierten sie virtuos Motive aus der Volkskunst ihrer ehemaligen Heimat Siebenbürgen mit Einflüssen von Dada und Surrealismus, aber auch Popkultur und Gothic.
Die Collagen, die jetzt im Sprengel Museum zu sehen sind, dokumentieren einen Wandel im Werk der Zwillinge. Die für sie lange Zeit typischen folkloristischen Motive sind kaum noch zu finden. Die Werke erscheinen reduzierter und fragiler – oft schweben nur noch vereinzelte Motive vor aquarellhaften Farbflächen.

In der Ausstellung stehen rund 80 Collagen von Gert & Uwe Tobias 20 Papierarbeiten aus der Graphischen Sammlung des Sprengel Museums gegenüber. Ein Fokus der Auswahl liegt auf Werken von Kurt Schwitters. Der in Hannover lebende Dadaist war einer der Pioniere der der Collage, für die er Fundstücke wie Busfahrscheine oder Holzstücke, aber auch Bilder aus den Massenmedien kombinierte. Vertreten sind aber auch kaum bekannte Namen wie Ella Bergmann-Michel, René Halkett oder Franz Roh. Die Schau gleicht einer Expeditionen ins Unbewusste, Traumhafte, Absurde und veranschaulicht, dass Max Ernsts Diktum noch immer gilt: „Collage-Technik ist die systematische Ausbeutung des zufälligen oder künstlich provozierten Zusammentreffens von zwei oder mehr wesensfremden Realitäten auf einer augenscheinlich dazu ungeeigneten Ebene - und der Funke Poesie, welcher bei der Annäherung dieser Realitäten überspringt.“
A.D.

Präsent: Gert & Uwe Tobias. Collagen im Dialog mit der Sammlung
28.09.2016 – 15.01.2017
Sprengel Museum Hannover