Back in Town
Die New Yorker Frieze startet im neuen Format

Als erste Kunstmesse kehrt die Frieze Art Fair in diesem Frühjahr nach New York zurück. Seit Ende März 2020 ging wegen der Corona-Krise nichts mehr. Nun wagt die von der Deutschen Bank als Global Lead Partner unterstützte Frieze vom 5. bis zum 9. Mai eine vorsichtige Rückkehr – mit neuem Konzept. Vom bisherigen, entlegeneren Standort auf Randall’s Island zieht die Messe in The Shed, ein 2019 eröffnetes Kulturzentrum mitten in Hudson Yards in Manhattan, das alleine schon wegen seiner spektakulären Architektur zu einem neuen Wahrzeichen der Stadt geworden ist. Das Format der Messe ist sowohl digital als auch real. Während sie von einem umfangreichen Online-Angebot begleitet wird, hat sich die Zahl der Aussteller von den üblichen 190 auf rund 60 hochkarätige, zumeist einheimische Galerien von der amerikanischen Ostküste verschlankt. Beides, sowohl das hybride Format als auch die verstärkte Fokussierung auf die lokale Szene, liegt voll im Trend. Für Galerien, die jünger als zehn Jahre sind und traditionell in der Sektion „Frame“ gezeigt werden, ist das kleinere Format von Vorteil: Erstmals können sie ihre Einzelpräsentationen direkt neben den großen Galerien wie Gagosian, Hauser & Wirth oder Marian Goodman zeigen. Aber auch aus Europa sind Teilnehmer dabei, etwa Victoria Miro, Thaddaeus Ropac und Esther Schipper. Die Sicherheitsvorkehrungen sind streng: Alle Besucher*innen müssen einen kürzlich durchgeführten negativen Covid-19-Test oder eine vollständige Impfung nachweisen, und ein Compliance-Team ist während der gesamten Messe vor Ort. Trotzdem sind die Preview-Tickets bereits ausverkauft, man rechnet mit einer geschäftigen Woche.

Alle, die nicht anreisen, können die Messe online im Frieze Viewing Room verfolgen, der sich inzwischen bei globalen Sammler*innen gut etabliert hat. Neu in New York ist in diesem Jahr ein Format, das schon im Rahmen der Frieze London erfolgreich Premiere feierte: der gemeinsam von der Deutschen Bank und der Frieze initiierte Art:LIVE Broadcast, der exklusive, digitale Begegnungen mit Künstler*innen, Kurator*innen, Sammler*innen und Kreativen aus den unterschiedlichsten Bereichen bietet. Unter dem Thema Reflect, Refocus, Reset geht es in diesem Jahr um verhaltenen Optimismus und darum, was wir aus der aktuellen Situation lernen können. Ein Höhepunkt ist sicher ein sehr persönlicher Talk mit der Performancekünstlerin Marina Abramović in ihrem New Yorker Loft. Aber es gibt auch weitere, absolut sehenswerte Events. So führt die Kuratorin Jessica Morgan durch den erweiterten Bau des Dia:Chelsea, das nach zwei Jahren Renovierung eröffnet, und die Architektin Annabelle Selldorf erzählt über die von ihr betreute, spektakuläre Präsentation der Frick Collection im Marcel Breuer-Bau des ehemaligen Whitney Museums.

Als virtuelle Ausstellung zeigt die Deutsche Bank eine digitale Version von Ways of Seeing Abstraction, einer Schau mit 168 abstrakten Werken von 47 Künstler*innen, die noch bis Anfang 2022 im Berliner PalaisPopulaire live zu erleben ist.

Ein einzigartiges Erlebnis verspricht auch The Looking Glass, eine von Daniel Birnbaum, dem Direktor von Acute Art, und Emma Enderby, Chief Curator von The Shed, zusammengestellte Ausstellung mit Augmented Reality-Kunstwerken, die im Shed und im öffentlichen Raum um das Gebäude präsentiert werden. Das erste „Kapitel“ der sich ständig erweiternden Schau bilden Werke von Precious Okoyomon, Cao Fei and KAWS. Die non-binäre Künstlerin und Lyrikerin Precious Okoyomon, die 2020 mit ihrer spektakulären Ausstellung Earthseed im Frankfurter MMK zu sehen war, erhält in diesem Jahr den Frieze Artist Award 2021. Aus diesem Anlass wird sie eine Performance-Installation eigens für das Shed entwickeln, die mit Poesie, sensorischen Elementen, Skulpturen, Licht und Klang den Selbstausdruck und den Wert gemeinsamer Erfahrungen feiert.

Und auch die traditionellen Frieze Talks kehren im Zoom-Format zurück. Unter anderem unterhält sich die Transgender-Autorin Akwaeke Emezi mit der jungen New Yorker Künstlerin ruby onyinyechi amanze, die auch in der Sammlung Deutsche Bank vertreten ist, und der legendäre New Yorker Künstler Richard Prince spricht mit der ebenso legendären Kritikerin und Autorin Rachel Kushner. Es lohnt sich also auf jeden Fall, digital dabei zu sein.

Frieze New York
5. - 9. Mai 2021
The Shed, New York
Alle Informationen unter: frieze.com